Wie mich Miami doch noch überzeugt hat und meine 4 liebsten Spots

Miami, die Stadt im Sunshine State Florida, der ich irgendwie immer eine gewisse Abneigung gegenüber empfand. Als Basti also Miami auf die Roadtrip-Liste schrieb, war ich nicht gerade angetan davon. Irgendwie waren doch schon alle da und sowieso, Miami ist doch viel zu oberflächlich. Der Mann hat sich durchgesetzt und so stand ich in Anfang November auf der Düne am Mid Beach von Miami Beach, vor mir türkisblaues Wasser und pralle Sonne im Gesicht. Ich habe es in dem Moment nicht zugegeben, aber – verdammt – war ich glücklich, dort zu sein.

Ich glaube, wenn es um Miami geht, gibt es zwei Lager: Die einen, die es lieben und die anderen, die sich nicht ganz sicher sind, was sie von Miami halten sollen. Ich würde mich so dazwischen einordnen. Ich werde sicher nie eine dieser deutschen Urlauber sein, die sich jeden Winter in Miami den Bauch bräunen müssen und sich dabei für diese Dekadenz feiern. Miami hat meine Erwartung von einer „sehen und gesehen werden“-Stadt aber auf jeden Fall deutlich übertroffen. Sonne, Temperaturen von über 30 Grad Anfang November, warmes Wasser, die Palmen und der (außer bis aufs Autofahren) sehr relaxte Lebensstil in Miami haben es mir schon angetan. Wenn ich nochmal auf der Süd-Ost-Seite der USA unterwegs bin, kommt Miami wieder auf die Liste.

Bevor es zu den Dingen geht, die ihr in Miami gut machen könnt und auch einmal gemacht haben solltet, kurz zur Unterkunft: Miami liegt fast am äußersten Zipfel in Florida. Direkt am Atlantik und Golf von Mexiko gelegen, ist das wahrscheinlich auch das erste Bild, das alle von Miami im Kopf haben: eine Skyline großer Wolkenkratzer hinter Reihen von Palmen, einem Streifen Sandstrand und davor das Meer. Das trifft vor allem auf den Stadtteil Miami Beach zu – den wohl bekanntesten Teil Miamis und nicht zu verwechseln mit der Stadt Miami selber. Miami Beach liegt etwas vorgelagert auf einer eigenen Insel und bildet für die meisten Touristen das Zentrum ihres Urlaubs. Wir haben auch in Miami Beach geschlafen, allerdings nicht am bekannten South Beach, sondern etwas ruhiger am Mid Beach. Eine Unterkunft weiter weg würde ich nicht empfehlen, da das meiste schon hier stattfindet und ihr einfach am flexibelsten seid und selbst fußläufig viel erreichbar ist. Wenn ihr – so wie ich – das Meer liebt, nehmt auf jeden Fall ein Hotel oder AirBnB in erster oder zweiter Reihe zum Strand. Es ist einfach unschlagbar, wenn ihr aus dem Hotel geht und keine zwei Minuten dahinter steckt ihr die Zehen in den Sand. Uns persönlich hat Mid Beach sehr gut gefallen, weil einfach weniger am Strand los war als am South Beach, wir aber trotzdem noch alles gut und unkompliziert erreicht haben. Wir haben im L-Hotel geschlafen und können das Hotel durchaus weiterempfehlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat absolut gestimmt, aber schaut einfach mal online. In Miami findet man immer wieder Angebote.

Jetzt aber zu den Dingen, die ihr in Miami machen könnt, ohne dass euch langweilig wird und die mehr sind, als das typische “sehen und gesehen” werden am Ocean Drive:

1. Macht euch einen gemütlichen Strandtag am Miami Beach

Was Miami ausmacht? Die langen Sandstrände und das herrlich angenehme Atlantikwasser, das vom Golf von Mexiko erwärmt wird. Egal für wie lange ihr in Miami seid, genießt das Wetter und gönnt euch einen Augenblick des Luftholens. Legt euch an den Strand und geht schwimmen. Das Wasser hatte Anfang November noch richtig Schwimmbad-Temperatur und geht sehr flach in den Ozean – perfekt, wie ich finde. Offiziell ist der Zutritt zum Strand von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr abends erlaubt. Miami Beach ist in drei Teile eingeteilt: South Beach, der häufig auch mal etwas voller ist, Mid Beach und North Beach, wo laut Internet hauptsächlich Locals unterwegs sind. Wenn ihr länger da seid, probiert doch verschiedene Strände aus. Unser Hotel lag genau am Mid Beach und nach unserem Spaziergang an den so bekannten South Beach war ich darüber auch ganz froh. Es ist nicht nur am Strand leerer, sondern auch das Meer. Am letzten Tag in Miami haben wir uns einfach direkt an die Brandung in den Sand gesetzt und einfach nur aufs Meer geschaut. Es war kein Mensch im Bild – und das war in dem Moment einfach Ruhe pur.

Tipp: Viele Hotels verleihen kostenlos Klappstühle und Sonnenschirme. Am Strand gibt es so ziemlich keinen Schatten, deshalb solltet ihr danach unbedingt fragen.

2. Genieße den Meerblick (und bekomme gleichzeitig etwas Bewegung) bei einem Spaziergang entlang des Beach Walks

Entlang des Meeres, direkt hinter dem Strand und noch vor den Hotels, führt der Beach Walk lang. Der rund 7 km lange Weg führt vom Norden der Insel (North Beach) bis ganz in den Süden (South Beach). Auf Teilen kann man auch mit dem Rad fahren, die meisten gehen hier allerdings spazieren oder joggen (die Männer meist oberkörperfrei und mit lauter Musik in der Hand – wie man das eben von Miami erwartet). Da wir am Mid Beach untergebracht waren, haben wir den Beach Walk immer für einen Spaziergang zum South Beach genommen und vice versa. Gerade abends lernt ihr so auch einiges über die Hotels am Beach – die Partyhotels lassen sich zumindest sehr schnell raushören. Einige der Hotels haben auch Bars und Rooftops, in denen ihr etwas essen oder trinken könnt. Das am besten aber vorher googeln. Besonders toll dürfte hier auch der Sonnenaufgang sein, der genau am Meereshorizont erscheint.

Tipp: Abends liegt der Weg im Schatten und ist von den Temperaturen deutlich angenehmer als mitten am Tag. Der Beach Walk hat fast alle 500 Meter einen Zugang zum Strand.

3. Street Art in Wynwood

Ich glaube, ich habe Straßenkunst noch nie an einem Ort so gesammelt gesehen, wie in Wynwood. Wynwood ist ein Stadtteil Miamis, in dem Kunst an wortwörtlich jeder Ecke zu sehen ist. Selbst “Kunstmuffel” werden sich nicht entscheiden können, wohin sie zuerst schauen sollen. Am besten schlendert ihr mit ein bisschen Zeit durch die Straßen und sucht die Kunstwerke, die euch am besten gefallen. Da gab es beispielsweise ein Bild von Michelle Obama und Melania Trump, die sich nackt im Arm hatten, die amerikanische Flagge im Hintergrund und eine Friedenstaube daneben.

Die geballte Power an Werken von Künstlern aus der ganzen Welt findet ihr im Wynwood Walls and Garden Park (http://www.thewynwoodwalls.com). Hier ist dadurch natürlich auch am meisten los und gerade, wenn ihr Bilder machen wollt, müsst ihr eine ganze Weile warten, bis niemand mehr im Weg steht. Dennoch sind die Wände es wirklich wert. Jedes Kunstwerk ist anders und wirklich mühevoll. Ich finde es teils wirklich schade, wenn die Leute einfach nur schnell posieren, ein Foto machen und dann zur nächsten Wand weitergehen. Die Aussage einiger der Werke (gewollt oder nur von mir so interpretiert) regen zum Nachdenken an. Ich habe Wynwood allgemein als sehr gesellschaftskritisch und -reflektierend wahrgenommen. Viele aktuelle, durchaus auch divers diskutierte Themen finden in den Bildern Ausdruck. So beispielsweise Trump, Klimawandel, Umweltschutz, Emanzipation und viele Bilder, die ich nicht zuordnen konnte. Aus den ersten Zwei bin ich noch immer nicht schlau geworden – habt ihr Ideen?

Tipp: Unbedingt bei KUSH Burger essen gehen. They are the best! Und auf gar keinen Fall auf den ausgezeichneten Key Lime Pie verzichten – hm ich träume heute noch davon
(2003 N. Miami Ave).

3-D-Street-Painting? Natürlich auch in Wynwood, Miami vor einem Restaurant

Diesen Schriftzug findet ihr in den Wynwood Walls and Garden – das ganze Wort ist “Resist” und stellt verschiedene gesellschaftliche Herausforderungen da (so zumindest meine Interpretation)

4. Kulinarik-Tour durch Little Havana

Little Havana – wie lange saß ich vor dem Handy und habe diesen Stadtteil gegoogelt? Es sei nicht sicher, man solle es lieber meiden, die Straßen seien wie Bielefeld und absolut langweilig, nicht sehenswert. Dann gibt es wieder Beiträge und Kommentare, die Little Havana als eins der Must-Does in Miami aufführen. Ihr seht also, wenn ich meine eigene Meinung zu dem Stadtteil bilden wollte, musste ich ganz klar hin. Und die Vorstellung von Straßen voller Leben, angeregten Diskussionen und alten Männern, die ganz im Frieden mit sich ihre Zigarren rollen, hat mich direkt überzeugt. Ich war noch nie Kuba oder Südamerika allgemein, weshalb ich keinen Vergleich habe. Little Havana wurde aber von Immigranten, die aus Kuba geflüchtet sind, erbaut. Ein Stück der kubanischen DNA steckt in diesem Stadtteil. Ein gutes Stück Leben.

Wir haben uns letztlich für eine Kulinariktour entschieden, um mehr mitzubekommen, wegen des Essens und auch, um unter Leute zukommen und etwas mehr über die Gegend zu erfahren. Diese Erfahrung kann ich nur jedem ans Herz legen. Wären wir allein unterwegs gewesen, wären wir sicher nicht einmal ansatzweise in die Restaurants und Geschäfte gegangen, in denen wir waren.    Das Essen war wirklich gut und wir sind mehr als satt wieder zurück nach Miami Beach gefahren.  Es gab eine Vorspeise, Kaffee, ein kleiner Hauptgang, einen Cocktail und andere Getränke, eine traditionelle Nachspeise, Eis und einiges zum Hintergrund verschiedener Läden und des Stadtteils selbst.

Unsere Tour: https://www.miamiculinarytours.com/tour/little-havana-food-tour/

Kosten: 59 Dollar zzgl. Tip (etwa 10 Dollar p. P.)

Dauer: ca. 3 Stunden

Links war mein Veggieteller mit Bohnen und Yucca-Pommes. Rechts ist das kubanische Sandwich mit einer Hähnchen-Croqueta.

Die Männer und Frauen spielen hier den ganzen Tag Domino, lassen sich von den etwaigen Schaulustigen nicht stören und sind ganz in ihr Spiel vertieft – hier und da landet auch schon mal eine Faust auf der Tisch, gleich begleitet von einem von jahrelanger Freundschaft begleiteten Lachen.

Was ist sonst noch machen könnt:

– Über die Lincoln Road schlendern (und im Anschluss bei Shake Shack essen)

– Abends die bunten Lichter am Espanola Way betrachten und auf einen Cocktail in ein Restaurant setzen

– eine Tour in die Everglades unternehmen (wir waren schon in New Orleans in den Swamps und haben deshalb darauf verzichtet)

– die Keys entlang fahren (haben wir aufgrund von zu wenig Zeit nicht gemacht)

– wenigstens einmal am Lummus Park (neben dem Ocean Drive) vorbei fahren – das ist der öffentlich zugängliche Gerätepark am Strand (auch hier zählt hauptsächlich das Gesehen werden)

Was ihr noch über Miami wissen solltet

Unterwegs in Miami

Was Fahren angeht, ist Miami wie jede andere Großstadt auch – it sucks. Es ist chaotisch, Leute hupen, man verfährt sich drei Mal und es gibt vor allem keine bzw. nur teure Parkplätze. Wir haben uns am Flughafen ein Auto gemietet, da wir nach Miami noch weitergefahren sind. Das würde ich nicht empfehlen. Ganz einfach, weil ihr in Miami wirklich kein Auto braucht. Wenn ihr in Miami Beach untergekommen seid, ist vieles auch fußläufig erreichbar (wir erinnern uns an den Beach Walk). Ansonsten ist Uber eine schnelle und günstige Variante(von Miami Beach bis Little Havana z. B. etwa $9), die wir fast immer benutzt haben. Mit Uber Pool wird es sogar noch ein paar Dollar günstiger.

Falls ihr aber doch mit dem Auto da seid, schaut nach Parkhäusern, die vielleicht nicht ganz im Zentrum stehen (die sind meistens auf jeden Fall günstiger, als das Auto im Hotel zu parken.) Wir haben bspw. eins für $8 am Tag gefunden.

Kosten

Miami war auf unserem Roadtrip auf jeden Fall der teuerste Halt. Aber das war uns von vorne rein klar. Mit ein bisschen Geduld und Recherche könnt ihr aber auch gut sparen. Vermeidet am besten einfach alles am Ocean Drive. Wo ihr gut und halbwegs günstig essen könnt, fasse ich noch einmal in einem Miami Food Guide zusammen. Vergesst aber nicht, dass auf alles Preise nochmals Steuern draufkommen und ein Trinkgeld von etwa 15% erwartet wird. Passt aber auf: Manche Restaurants setzten 18% Trinkgeld bereits auf die Rechnung.

 

Wie steht ihr zu Miami? Love it or hate it? Oder irgendwas dazwischen? Lasst es mich gerne wissen.

Folge:

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